Das Grossmünster Manifest

Für den Neubeginn unseres Zusammenlebens

11. Förderung und Einräumung der Selbstbestimmung und der Selbstverwaltung (Autonomie).

11. a
Der Reife und der Fähigkeit zur Selbstbestimmung und zur Selbstverwaltung geht die ethische Bildung des Menschen und die Vermittlung der notwendigen, ethischen und wahren Erkenntnis voraus;

11. b
Erfolgt der Übergang in die Hierarchielosigkeit, nur um des egoistischen Willens der Loslösung ohne das Verständnis für das Gemeinwohl und ohne das ethische Verständnis, drohen einer Gemeinschaft in Selbstverwaltung Zerfallserscheinungen, schleichende Zweckentfremdung oder Unterwanderung; darum gilt:

11. c
Menschen und Gemeinschaften, die ethische und wahrhaftige Erkenntnis und Reife erlangt haben oder durch ihr praktiziertes Leben solches unter Beweis stellen, ist das naturgegebene Recht zur Selbstbestimmung und Selbstverwaltung — ohne weitere Auflagen als die hier im Manifest aufgeführten — zu gewähren;

11. d
Kein weiser Mensch wird aufgrund seiner erlangten Erkenntnis einen anderen Menschen unter sein Diktat stellen;

11. e
Alle Handlungen, sowie alles Lehren und Lernen im Umgang mit einer verantwortungsvollen und umsichtigen Autonomie geschieht auf der Grundlage der Liebe zur wahrhaftigen Erkenntnis und zum wirklichen Leben.

11. f
Im Lichte der wahrhaftigen Erkenntnis, ist Autonomie auf allen Gesellschaftsstufen; mitgegenseitiger, einvernehmlicher Rücksichtsnahme manifestierbar und erlebbar — beinhaltend:

11. g
Volle Wahl- und Gestaltungsfreiheit — im Rahmen der ewigen, wahrhaftigen und universellen Gesetze —, worin die Autonomie bestehen soll und zu diesem Zwecke sie dient;

11. h
Volle Teilnahmefreiheit;

11. i
Volle Rückzugs- bzw. Austrittsfreiheit;

11. j
Freie Wahl über Art und Umfang der jeweiligen Gesellschaftsstufe;

11. k
Wahl der Formen der Meinungsbildung;

11. l
Wahl und Ausgestaltung der Entscheidungsfindung;

11. m
Formen der Beschlussfassung;

11. n
Formen der Machtübertragung und Machtausübung;

11. o
Formen der Aufsicht und des Ausgleichs;

11. p
Transparenz und Korrekturen am Gemeinwesen;

11. q
Formen der Finanzierung und der Entlöhnung.

11. r
Im Einklang lebende Autonomien gleichen ihre spezifischen Anliegen untereinander aus;

11. s
Autonomien nehmen ihre spezifische Unabhängigkeit nur so weit wahr, wie es dem Gesamten förderlich ist.

11. t
Grössere Gemeinschaften oder Bündnisse von Autonomien üben weder fremde Macht noch fremdes Diktat aus gegenüber anderen; insbesondere gegenüber kleineren Autonomien.

11. u
Grössere Autonomien behüten die Freiheit der Kleineren.

11. v
Kleinere Autonomien respektieren die über ihren Kreis hinausgehenden Gesamtzusammenhänge.

11. w
Konflikte sind durch die Einsicht in die gemeinsame, wahre Erkenntnis sowohl vermeidbar als auch lösbar.

11. x
Auf dieser Reifestufe funktionierende Autonomien zeichnen sich aus durch:

12. Förderung und Einräumung der Selbstbestimmung (Autonomie) in allen Aspekten des gesellschaftlichen Lebens.